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Die 5 schönsten Gradierwerke in Rheinland-Pfalz und dem Saarland – Salzluft zwischen Kurort und Alltag

Wo Salz zur Landschaft wird

Familie spaziert an einer langen Gradierwerkwand entlang, feiner Sole-Nebel im Gegenlicht

Zwischen Rheinland-Pfalz und dem Saarland liegt eine der dichtesten Ansammlungen historischer Gradierwerke Deutschlands. Was einst der Salzgewinnung diente, prägt heute Kurparks und Flusstäler und erzählt von jahrhundertealtem Handwerk. Dieser Beitrag stellt fünf Stationen vor.

Das Salinental: Europas größtes Freiluftinhalatorium

Zwischen Bad Kreuznach und Bad Münster am Stein-Ebernburg erstreckt sich das Salinental, benannt nach den Salinen, die hier ab 1730 zur Salzgewinnung aus der Nahe entstanden. Insgesamt neun Gradierwerke stehen heute in diesem Gebiet, acht bis zehn Meter hoch, mit einer Gesamtlänge von gut 1,1 Kilometern. Zusammen gelten sie als das größte Freiluftinhalatorium Europas.

Die Sole stammt aus einer rund 500 Meter tiefen Quelle mit einem Salzgehalt von etwa 1,5 bis 2 Prozent. Über die Schwarzdornwände verdunstet das Wasser und konzentriert die zurückbleibende Sole, historisch der erste Schritt vor dem eigentlichen Sieden zu Kochsalz.

Bad Münster am Stein-Ebernburg: Gradierwerk vor dem Rotenfels

Ein Teil des Salinentals liegt in Bad Münster am Stein-Ebernburg, wo eine 150 Meter lange Gradierwerkwand direkt vor dem Rotenfels verläuft, mit 202 Metern der höchsten Felswand nördlich der Alpen. Der Kontrast zwischen der dunklen Holzkonstruktion und dem rötlichen Gestein macht diesen Abschnitt besonders markant.

Bad Dürkheim: das größte Gradierwerk Deutschlands

Rund 60 Kilometer südlich von Bad Kreuznach liegt Bad Dürkheim in der Pfalz. Das dortige Gradierwerk misst 333 Meter in der Länge und bis zu 18 Meter in der Höhe, gebaut aus rund 250.000 Schwarzdornbündeln. Nach zwei Bränden 1992 und 2007 wurde die Anlage aufwendig restauriert und 2010 wiedereröffnet.

Die Geschichte der Salzgewinnung in Bad Dürkheim reicht bis ins späte 14. Jahrhundert zurück. Der angrenzende Kurpark und die Nähe zur Pfälzer Weinstraße machen den Ort zu einem beliebten Ausflugsziel weit über die Kurgäste hinaus.

Bad Ems: Gradierwerk im UNESCO-Weltkulturerbe

Bad Ems an der Lahn zählt seit 2021 zu den „Great Spa Towns of Europe", einer UNESCO-Welterbestätte, die elf bedeutende europäische Kurorte umfasst. Das Gradierwerk fügt sich in ein historisches Kurensemble aus Kurhaus, Spielbank und Wandelhalle ein, das im 19. Jahrhundert Kaiser und Adel aus ganz Europa anzog.

Anders als in Bad Kreuznach oder Bad Dürkheim liegt der Reiz in Bad Ems weniger in der Größe der Anlage als im architektonischen Gesamtbild: Gradierwerk, Kurhaus und die Lahn bilden zusammen eine geschlossene historische Kulisse.

Saarland Therme Rilchingen-Hanweiler: moderne Sole im maurischen Stil

Im Saarland setzt die Saarland Therme in Rilchingen-Hanweiler die Solegeschichte auf andere Weise fort. Die Solequelle wurde bereits 1789 zur Salzgewinnung erschlossen, ab 1841 folgte ein Kurbad. Bis vor wenigen Jahren nutzte der Orden der Barmherzigen Brüder die Sole für Bäder- und Inhalationsbehandlungen, unter anderem für saarländische Bergleute.

Die heutige Therme wurde 2012 eröffnet und bezieht ihr Thermalwasser aus einer 750 Meter tiefen Quelle, die 1990 bei einer Probebohrung entdeckt wurde. Die Architektur ist maurisch-andalusisch gehalten, mit importierten Originalelementen und einem großen, öffenbaren Glasdach über dem zentralen Becken. Neben Bade- und Saunabereichen gehört ein Soleinhalationsraum zum Angebot.

Fazit

Fünf Orte, fünf unterschiedliche Kapitel derselben Technik: das monumentale Freiluftinhalatorium im Salinental, das größte Einzelbauwerk in Bad Dürkheim, die UNESCO-Kulisse in Bad Ems und die moderne, architektonisch ganz andere Fortsetzung in der Saarland Therme. Zusammen zeigen sie, wie aus einem Verfahren zur Salzgewinnung über Jahrhunderte hinweg eine ganze Kurlandschaft entstanden ist.

Bildquellen: Adobe Stock


Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information.